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Weihnachten in aller Welt?! – Interkulturelle Bildung im Sachunterricht

Foto: Claudia Gerdes

(gerdes) Geschmückte Häuser, ein Mistelzweig über der Tür, Strohböcke unter einem Tannenbaum oder Strümpfe am Kamin; Speisen, wie Karpfen, gefüllter Truthahn oder Kuchen mit kandierten Früchten, und Geschenke vom Weihnachtsmann, Christkind oder Väterchen Frost an verschiedenen Tagen – es gibt unglaublich viele unterschiedliche Weihnachtstraditionen und -bräuche, die auch in unseren kulturell vielfältigen Lerngruppen Bestand haben. Ist Weihnachten allerdings für alle Menschen auf der Welt ein bedeutsames Fest? Inwiefern wird Weihnachten in bestimmten Kulturkreisen gefeiert? Gibt es im Hinblick auf die Weihnachtstraditionen und -bräuche intra- und interkulturelle Gemeinsamkeiten und Unterschiede?

Der Inhalt Weihnachten bietet im Sachunterricht eine hervorragende Möglichkeit, lebensweltbezogen und exemplarisch die kulturelle Vielfalt in unserer Gesellschaft zu thematisieren und mit Blick auf die Kompetenzerwartungen der Perspektive Gesellschaft, Politik und Wirtschaft sowie der Interkulturellen Bildung u. a. dazu beizutragen, „Kenntnisse über unterschiedliche Lebens- und Sichtweisen zu erwerben“ sowie „Neugier, Offenheit und Verständnis für andere […]“ (KC SU 2017, S. 14) zu entwickeln.

Mit dem Thema „Weihnachten in aller Welt?!“ und den didaktisch-methodischen Umsetzungsmöglichkeiten beschäftigten sich demzufolge die drei Sachunterrichtsseminare im Rahmen einer gemeinsam Seminarveranstaltung. Neben der Erarbeitung einer möglichen Unterrichtseinheit und einer Übersicht über andere bedeutsame kulturelle Feste, inklusive schulrechtlicher Grundlagen, ging es vor allem um die praxisbezogene Auseinandersetzung mit dem Weihnachtsfest ausgewählter Länder bzw. Kulturkreise. Hierfür recherchierten die LiVD vorbereitend in Kleingruppen jeweils die Weihnachtstraditionen und -bräuche in Schweden, Großbritannien, Italien, Polen, Russland und Syrien und präsentierten die Informationen äußerst ansprechend, anschaulich und lerneffektiv, beispielsweise mittels Plakaten oder Triaramen, unterstützt u. a. mit länderspezifischem Gebäck, passender Weihnachtsmusik oder Videosequenzen.

Die Informationen wurden während eines Museumsgangs diskutiert und in einem angebotenen Themenheft dokumentiert. Abschließend wurden die Dokumentations- und Präsentationsformen hinsichtlich individueller unterrichtlicher Umsetzungsmöglichkeiten reflektiert. Mit Blick auf eine spätere Klassenlehrerfunktion wurden zudem sowohl fachspezifische als auch fächerübergreifende Buch- und Materialtipps vorgestellt, zudem erhielten die Teilnehmer/innen an einer Adventskalenderbörse Anregungen zur Gestaltung der Vorweihnachtszeit.

In diesem Sinne: God Jul! Merry Christmas! Buon Natale! Milad Majid! Frohe Weihnachten!

Fotos: Claudia Gerdes

Lapbooks im Sachunterricht

Foto: Claudia Gerdes

(gerdes) Lapbooks werden im Sachunterricht immer beliebter. Sicherlich nicht verwunderlich, denn die mehrfach aufklappbaren Faltbücher bzw. Mappen zu einem Thema mit diversen Falt- und Schnittelementen, wie beispielsweise Fächer, Minibücher oder Drehscheiben, sind in der Regel sehr ansprechend. Der eigentliche Unterrichtsinhalt darf jedoch nicht auf reine Bastelei reduziert werden. Das Lapbook ist – wie alle anderen Medien im schulischen Kontext auch – als Unterrichtshilfsmittel zu verstehen.

Inwiefern das Medium Lapbook didaktisch-methodisch sinnvoll im Sachunterricht eingesetzt werden kann, war daher Thema einer Seminarveranstaltung der Fachseminare Sachunterricht I und II. Neben theoretischen Grundlagen zu den Chancen und Zielen dieses Mediums, u. a. zur individualisierten, kompetenzorientierten Auseinandersetzung mit einem Lerninhalt oder als eine mögliche Form fachspezifischer Leistungsbewertung, erstellten die Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst zu je einem ausgewählten Inhalt aus den Perspektiven “Raum” sowie “Gesellschaft, Politik und Wirtschaft” ein eigenes („Anschauungs-“)Lapbook. Zudem wurden wesentliche Schritte der Planung, Durchführung und Reflexion beim Erstellen bzw. Einsatz von Lapbooks im Sachunterricht diskutiert sowie mögliche inhalts- und prozessbezogene Bewertungskriterien erarbeitet.

„Nicht nur IN der Schule lernen wir …“ – Außerschulisches Lernen im Sachunterricht

Foto: Claudia Gerdes

(gerdes) Sachunterricht muss und sollte nicht ausschließlich in der Schule oder im Klassenraum stattfinden. Viel häufiger sollte es raus aus dem Klassenzimmer gehen, um beispielsweise die unmittelbare Lebenswelt zu erkunden, im Unterricht angesprochene Inhalte besser zu begreifen und zu verstehen oder neue Aspekte aktiv zu erforschen und zu entdecken. Multisensorisches Lernen, unmittelbare, originale Begegnung, Lebensnähe, regionales Lernen, selbsttätiges Lernen – dies sind nur einige Chancen und Prinzipien, die für das Einbeziehen außerschulischer Lernorte in den Sachunterricht sprechen. Um einen wirksamen Zusammenhang zwischen außer- und innerschulischem Lernen herzustellen, bedarf es einer fundierten Planung seitens der Lehrkraft.

Im Rahmen einer gemeinsamen Veranstaltung der Sachunterrichtsseminare beschäftigten sich die LiVD daher neben theoretischen Grundlagen mit allgemeinen organisatorischen sowie didaktisch-methodischen Planungsüberlegungen. So wurden exemplarisch für den Lernort Bauernhof u. a. das Bildungspotential des Lernortes eruiert sowie Überlegungen zur Vor- und Nachbereitung eines möglichen Besuchs diskutiert.

In der darauffolgenden Seminarveranstaltung erkundeten alle gemeinsam den Hof Klostermann in Cappeln/Warnstedt, zugehörig zum Verein LaUB, und überprüften die zuvor angestellten Überlegungen vor Ort. Herr Benno Klostermann und sein Team gaben im Rahmen eines für Schüler und Schülerinnen ausgearbeiteten Programms u. a. Einblicke in die Lebens- und Arbeitswelt eines landwirtschaftlichen Betriebs und ermöglichten die direkte Begegnung mit Tieren, Pflanzen und Maschinen. So wurden beispielsweise auf dem Hof und im Garten Pflanzen bestimmt und verschiedene heimische Obstsorten gekostet. In einer Lagerhalle wurden verschiedene Getreidesorten vorgestellt, es wurde über die Fütterung für die Schweinemast informiert und beispielhaft eine Futtermischung errechnet und zusammengestellt. In den hofeigenen Ställen konnte – im wahrsten Sinne des Wortes – hautnah beobachtet und erfahren werden, wie Hühner und Schweine gehalten werden; Experteninformationen (Wissen Sie z. B., was die Ohrscheiben von Hühnern mit der Eierfarbe zu tun haben?) inklusive.

In einer gemeinsamen Abschlussrunde auf der Hofdiele resümierten die LiVD den Lernort Bauernhof unter Berücksichtigung der vielen neu gewonnenen oder vertieften Erkenntnisse sowie aufgrund der Möglichkeit des erlebnis-, erfahrungs- und handlungsorientierten Erfassens unterschiedlicher landwirtschaftlicher Aspekte als einen sehr geeigneten außerschulischen Lernort im Sachunterricht und bedankten sich für die engagierte Hofführung sowie für die vielen einprägsamen Erlebnisse und Erfahrungen.

Fotos: Claudia Gerdes

Begegnung mit Technik – Technisches Lernen im Sachunterricht

Fotos: Claudia Gerdes

(gerdes) Unsere Lebenswelt ist geprägt von technischen Phänomenen. Überall sind und nutzen wir technische Geräte und Errungenschaften, wie beispielsweise den Computer, das Handy, die Waschmaschine oder den Fahrstuhl; Bauwerke, wie Brücken und Türme, sowie Fortbewegungsmittel, wie z. B. das Auto oder das Fahrrad. Kinder wachsen in dieser technisierten Welt auf und verwenden Technik i. d. R. selbstverständlich im Alltag und im Spiel. Ihr Umgang mit Technik ist jedoch meist nur auf ein Bedienungs- und Umgangswissen reduziert; verborgen bleibt ihnen oftmals das Wissen über Entstehungs-, Funktions- und Wirkungszusammenhänge sowie über Folgewirkungen von Technik. Kinder haben allerdings Interesse daran, hinter die „Dinge“ zu schauen. Sie möchten wissen, wie z. B. etwas funktioniert, woraus und wie etwas gemacht ist, wo etwas herkommt und wie es entsteht oder entstanden ist.

Der Sachunterricht in der Grundschule soll an dieses Interesse anknüpfen und den Schülern und Schülerinnen Zugänge zu technischem Handeln und Denken ermöglichen. Dabei stellen das Konstruieren und Herstellen, das Erkunden und Analysieren, das Nutzen, das Bewerten und die Kommunikation von und über Technik zentrale Denk-, Arbeits- und Handlungsweisen dar. Die Stabilität bei technischen Gebilden, Werkzeuge, Geräte und Maschinen, Arbeitsstätten und Berufe, die Umwandlung und Nutzung von Energie und technische Erfindungen sind perspektivenbezogene Themenbereiche (vgl. Perspektivrahmen Sachunterricht, Perspektive Technik).

Aufgrund der hohen gegenwärtigen und zukünftigen Bedeutung des technischen Bildungsbereichs haben sich die LiVD des Fachseminars Sachunterricht II im Rahmen einer Seminarsitzung mit dem technischen Lernen im Sachunterricht auseinandergesetzt. Nach der Einführung theoretischer Grundlagen stellten die LiVD zum einen ein Zahnradgetriebe u. a. mit Marmeladenglasdeckeln, Wellpappe, Gewindestangen mit Muttern und einer Pappschachtel her, zum anderen wurde beim Bau einer Brücke aus Papier gemeinsam getüftelt/probiert/konstruiert. In einer abschließenden Reflexion des Bildungspotentials dieser exemplarisch gewählten Inhalte und Aufgaben hoben die LiVD insbesondere die (eigene) Begeisterung bei der problemorientierten, aktiv-handelnden Auseinandersetzung hervor – eine Begeisterung, die auch an Schüler und Schülerinnen übertragen werden kann und soll, um neben dem Aufbau technischen Könnens und Wissens gleichsam eine positive Einstellung und Haltung zu Technik zu unterstützen.

Dem Lotus-Effekt auf der Spur – Bionik im Sachunterricht der Grundschule

Foto: Claudia Gerdes

(gerdes) Bei Regen nicht nass, sondern sauber werden? Statt Kleidung in der Waschmaschine zu waschen, würde ein Spaziergang bei schlechtem Wetter genügen. Autos und Fahrräder müssten nicht mehr geputzt und Straßen nicht mehr gefegt werden. Wäre das nicht herrlich? – Zu entdecken ist solch ein Selbstreinigungseffekt bei den Blättern der Lotuspflanze, die in Asien deshalb als Symbol der Reinheit gilt. Ist bei anderen (heimischen) Pflanzen ähnliches zu beobachten? Warum werden einige Pflanzen nicht nass, sondern Wasser perlt auf ihren Blättern ab? Warum lassen sich dieselben Pflanzen mit wenig Wasser ganz leicht von Schmutz o. ä. reinigen, während sich dieser auf anderen Blättern hartnäckig hält? Wozu dient den Pflanzen dieser Selbstreinigungseffekt und inwiefern kann der Mensch diesen nutzen? Fragen, die sich beispielsweise Wilhelm Barthlott bei seiner Entdeckung des Lotus-Effekts® gestellt haben mag.

Es gibt viele Dinge, die uns Menschen an der Natur faszinieren und/oder die wir gerne selbst können oder nutzen würden. Die Wissenschaft, die sich kurzgesagt mit der Analyse von Anpassungen und Entwicklungen der belebten Natur und ihrer innovativen Umsetzung in der Technik beschäftigt, ist die Bionik. Auch Kinder im Grundschulalter haben bereits – bewusst oder unbewusst – Erfahrungen mit bionischen Erfindungen gemacht, z. B. der textile Klettverschluss, oder Analogien zwischen Biologie und Technik festgestellt, z. B. Taucherflosse – Entenfuß. Zudem interessieren sie sich vielfach für die Funktionsweise und Entstehungsgeschichte technischer Erfindungen.

Bionik ist daher ein bildungsrelevanter, perspektivenvernetzender Inhalt des Sachunterrichts der Grundschule, der mittlerweile auch curricular verankert ist (s. KC SU 2017). Ausgehend von eigenen Erfahrungen, Erkenntnissen und Interessen, sollen die Schüler und Schülerinnen u. a. ausgewählte Zusammenhänge zwischen Natur und Technik herstellen, technische Umsetzungen von bionischen Phänomenen im Alltag erschließen sowie an Denk- und Arbeitsweisen der Bionik herangeführt werden. Dies kann wiederum dazu anregen, um über den Umgang des Menschen mit der Natur nachzudenken.

Um die LiVD der Sachunterrichtsseminare I und II für diesen spannenden Themenbereich zu sensibilisieren und um mit ihnen dessen Bildungspotential zu erschließen und zu diskutieren, setzten sie sich im Rahmen einer gemeinsamen Seminarveranstaltung am Schulbiologiezentrum Hannover gemeinsam mit Ingo Mennerich exemplarisch mit dem Lotus-Effekt und dessen Bedeutung als Vorbild vieler technischer Anwendungen auseinander. So wurden an diesem Nachmittag im Sinne des naturwissenschaftlichen Lernens u. a. Vorstellungen und Fragen (s.o.) geäußert, Hypothesen formuliert, überprüft, in Einzelfällen verworfen und neu aufgestellt, sowie Ergebnisse präsentiert und diskutiert. Die LiVD waren sich einig: Forschend-entdeckend, ggf. verbunden mit dem Lernen an einer Biografie, können sich auch Grundschulkinder u. a. dem Lotus-Effekt und damit dem Themenbereich Bionik nähern.

Abschließend wurde den LiVD das Schulbiologiezentrum Hannover als außerschulischer Lernort vorgestellt. Das Schulbiologiezentrum mit Schwerpunkt Naturwissenschaften und Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) führt u. a. sowohl Unterricht für alle Schulformen und Klassenstufen als auch Fortbildungen und Beratung für Lehrkräfte durch. Darüber hinaus verleiht diese Einrichtung eine Vielzahl an Materialien für den naturwissenschaftlichen Unterricht an Schulen und liefert themenbezogene Pflanzensortimente und kann damit zu einer wichtigen Anlaufstelle für die künftigen Lehrkräfte werden.

Fotos: Claudia Gerdes

Verabschiedung nach 17 Jahren

Foto: Tino Trubel

(daßke) Kürzlich wurde im Studienseminar der langjährige Kollege Hans-Gerd Droste verabschiedet. Herr Droste war als Lehrer an der Alexanderschule in Vechta tätig und wirkte seit Dezember 2000 auch als Fachseminarleiter für das Fach Sachunterricht in der Lehrerausbildung am damaligen Ausbildungs- und späteren Studienseminar mit.

Die Rektorin der Dienststelle, Maren Steuwer, stellte im Rahmen einer Verabschiedungsfeier die Verdienste von Herrn Droste heraus , so z. B. die frühe Kooperation mit dem Fachdidaktiker der Universität Vechta, Herrn Prof. Dr. Diethard Cech. Zudem beteiligte sich Herr Droste an der Mitgestaltung eines Grundschultages zum Thema “Experimentieren nach dem neuen Kerncurriculum” und gestaltete gemeinsam mit seinem Fachseminar das Lehrerbegleitheft zu dem Film “Kein Chaos mehr im Busverkehr” des Kreismedienzentrums Vechta. Sandra Kaske überreichte als Mitglied der Personalvertretung ein Reisegeschenk.

Herr Droste bedankte sich bei allen Anwesenden für die gute Zusammenarbeit innerhalb der vergangenen fast zwei Jahrzehnte. Das Kollegium erwiderte den Dank musikalisch mit “A Hard Day’s Night” und wünschte dem scheidenden Kollegen für die Zukunft alles Gute.

Fotos: Tino Trubel

„Ich war einmal eine Zeitung!“ – Rohstoffe, Ressourcen und Recycling als Themenbereiche einer Bildung für nachhaltige Entwicklung

Foto: Claudia Gerdes

(gerdes) Der Begriff „Bildung für nachhaltige Entwicklung” (BNE) meint eine Bildung, die Menschen befähigt, die Zukunft in einer globalisierten Welt aktiv, eigenverantwortlich und verantwortungsbewusst zu gestalten. Dabei geht es insbesondere darum, die Dimensionen Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft in ihrer Komplexität und gegenseitigen Abhängigkeit deutlich zu machen.

Damit die Leitgedanken der Bildung für nachhaltige Entwicklung entsprechend im Unterricht umgesetzt werden können, sollten die Themen u. a. eine zentrale lokale und/oder globale Problemlage betreffen, von längerfristiger Bedeutung sein, auf breitem und differenziertem Wissen über das Thema basieren sowie aussichtsreiche Handlungsmöglichkeiten für den Einzelnen und/oder die Gemeinschaft etc. bieten. Lernformen, die im Sinne der Gestaltungskompetenz eine Teilhabe an Planungs- und Entscheidungsprozessen unterstützen, die Schülerinnen und Schülern also eine aktive und konstruktive Rolle zukommen lassen, sind zu berücksichtigen. – Ohne Frage: Bildung für nachhaltige Entwicklung stellt eine bedeutsame und zugleich anspruchsvolle Aufgabe für Lehrerinnen und Lehrer dar.

Aus diesem Grund beschäftigte sich das Sachunterrichtsseminar II im Rahmen einer Seminarveranstaltung mit dem Thema „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ und der Frage, inwiefern der Sachunterricht dazu einen Beitrag leisten kann. Neben einem theoretischen Input zu diesem Bildungsbereich erarbeiteten und diskutierten die Seminarteilnehmerinnen exemplarisch didaktisch-methodische Umsetzungsmöglichkeiten zu relevanten Themen aus den Bereichen Ressourcenmanagement (Abfall, Wasser, Rohstoffe, wie z. B. Holz) und Konsum (globale Warenströme) – Themenbereiche, die gerade in einer Zeit, in der immer mehr Menschen von immer weniger Ressourcen mit Nahrung, Energie und Materialien versorgt werden müssen, einer besonderen Bedeutung zukommen. Die Schülerinnen und Schüler sollen bei der unterrichtlichen Auseinandersetzung beispielsweise Kompetenzen erwerben, wie Rohstoffe und deren Ursprung sachlich und differenziert zu betrachten, Prozesse zur Nutzung und Verwendung der Rohstoffe zu erkennen, zu verstehen und zu erklären sowie im Sinne der Nachhaltigkeit mit den Ressourcen sorgsam umzugehen und für die Natur als Rohstofflieferant Verantwortung zu übernehmen.

Das Thema Recycling wurde abschließend aufgegriffen, indem die Seminarteilnehmerinnen mit Hilfe mitgebrachter Schöpfrahmen aus alten Zeitungen Papier herstellten. Eine Möglichkeit, um Schülerinnen und Schülern im Sachunterricht ein Recyclingverfahren und dessen Nutzen und Rentabilität exemplarisch und handlungsorientiert (be-)greifbar zu machen.

Fotos: Claudia Gerdes

Was ist das für ein Gemunkel, was ist das für ein Geraune? – Die Sachunterrichtsseminare I und II erproben zentrale fachspezifische Methoden zur Erschließung von Frühblühern

Foto: Claudia Gerdes

„[…] Was ist das für ein Gemunkel, was ist das für ein Geraune?, dachte die Zwiebel, plötzlich erwacht. […]. Von Neugier gepackt, hat die Zwiebel einen langen Hals gemacht und um sich geblickt mit einem hübschen Tulpengesicht. Da hat ihr der Frühling entgegengelacht.“ 

(Die Tulpe – ein Gedicht von Josef Guggenmos)

(gerdes) Der Frühling ist eine Zeit des Erwachens, des Werdens und des Entwickelns. Frühblüher kommen beispielsweise aus der Erde und signalisieren uns optisch, dass der Winter sich dem Ende neigt und die Natur bald wieder zu wachsen beginnt. Sie profitieren von der Lichteinstrahlung und Wärme direkt über dem Boden vor dem Kronenschluss der Bäume. Da die Sonneneinstrahlung so früh im Frühjahr jedoch nicht vollständig ausreicht, um genügend Energie durch Fotosynthese zum Austreiben der Blüten zu gewinnen, besitzen Frühblüher besondere Speicherorgane unter der Erde, aus denen sie die Energie beziehen, die für den frühen Blütezeitpunkt notwendig ist. Manche Pflanzen haben eine Zwiebel als Vorratskammer, andere eine Wurzelknolle, wieder andere einen Erdspross.

Mit dem Inhalt „Frühblüher“ können Schüler und Schülerinnen exemplarisch u. a. den Artenreichtum der Pflanzen und ihre morphologischen Merkmale, die Angepasstheit von Pflanzen an ihren Lebensraum sowie Lebensmerkmale wie Entwicklung und Stoffwechsel kennenlernen (vgl. Niedersächsisches Kerncurriculum Sachunterricht (2006), S. 23 ff.; vgl. GDSU 2013, S. 42 ff.). Wahrscheinlich sind „Frühblüher“ deshalb ein klassischer Inhalt des Sachunterrichts, insbesondere im ersten und zweiten Schuljahrgang.

Neben den e. g. inhaltsbezogenen Kompetenzen kann mit diesem Inhalt allerdings auch eine Vielzahl an zentralen fachspezifischen Methoden und Arbeitsweisen angebahnt und vertieft werden, wie z. B. Betrachten, Beobachten, Benennen, Beschreiben, Bestimmen, Versuche durchführen, Vergleichen, Dokumentieren, Zeichnen sowie Informationsquellen auswählen und nutzen. Ziel des Workshops „Frühblüher“ war es daher, den Seminarteilnehmerinnen neben der Einführung der theoretischen Grundlagen ausgewählte methodische Zugänge aufzuzeigen und sie insbesondere die Methoden des Betrachtens und des (Sach-)Zeichnens selbst ausprobieren zu lassen. Daher sollten die Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst u. a. unterschiedliche Frühblüher betrachten, bestimmen und zeichnen sowie die Speicherorgane untersuchen und unterscheiden. Abschließend wurden die gemachten Erfahrungen reflektiert, methodische Chancen und Schwierigkeiten gemeinsam diskutiert sowie Funktionen, Einsatz- und Umsetzungsmöglichkeiten und Grundsätze des (Sach-)Zeichnens erarbeitet. Zudem wurde das Dokumentieren von Frühblühern und deren Entwicklung über einen längeren Zeitraum mit einer Digitalkamera, welches ebenso das genaue Betrachten schult, vorgestellt.

Fotos: Claudia Gerdes

Putzmäuse in Diepholz – Besuch der Wissenswerkstatt Metropolregion Nordwest

Foto: Claudia Gerdes

Foto: Claudia Gerdes

(gerdes) Im Sachunterricht der Grundschule hat sich hinsichtlich des naturwissenschaftlich-technischen Lernens für die Jahrgänge 3 und 4 u. a. der Bildungsinhalt „Elektrischer Strom“ etabliert – ein Alltagsphänomen, dem Kinder überwiegend fasziniert und neugierig begegnen und das in einer zunehmend technisierten Gesellschaft für die kindliche Lebenswelt stetig an Bedeutung gewinnt. Im Unterricht erwerben die Schülerinnen und Schüler vornehmlich Kenntnisse über Elektrizität, wie beispielsweise Leitfähigkeit, Schaltungen, Stromquellen, Stromerzeugung, Stromverbrauch, Wirkungen, Bedeutungen und Sicherheit im Umgang mit Strom. Interesse am naturwissenschaftlich-technischen Arbeiten und Forschen haben Kinder jedoch insbesondere dann, wenn sie selbst etwas herstellen können.

Eine Möglichkeit, naturwissenschaftliche und technische Phänomene altersgerecht und praktisch durch handwerkliches Tun zu erfahren, bietet die „Wissenswerkstatt Metropolregion Nordwest“ in Diepholz, ein außerschulischer Lernort mit dem Schwerpunkt “Naturwissenschaften” und “Technik”. Die „Wissenswerkstatt“ bietet Kindern und Jugendlichen kostenlos (Bustransfer inklusive) u. a. spannende Phänomene aus Naturwissenschaft und Technik, Experimente zum Entdecken und handwerkliches Arbeiten. Sie verfügt über Werkstatträume für Holzbearbeitung, Elektrotechnik und Robotik, in der Kinder und Jugendliche im Alter von 8 bis 18 Jahren Technik erleben und begreifen können.

In dem Kurs „Mit Strom wird’s spannend – Motorisierte Putzmaus“ unter der Leitung von Frau Dr. Heike Papst ging es u. a. um den Stromfluss / um Stromkreise, um die Umwandlung von Strom in Antriebskraft. Es wurde der Frage auf den Grund gegangen, was Handys und Rüttelplatten gemeinsam haben (Vibration). Schließlich wurde jeder Teilnehmerin und jedem Teilnehmer die Möglichkeit geboten, eine motorisierte Putzmaus zu bauen und das eigene Werkstück mit nach Hause zu nehmen. Dass dies nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene begeistern kann, zeigen (hoffentlich) die Fotos.

Insgesamt gewannen die Anwärterinnen und Anwärter des Faches Sachunterricht während des dreistündigen Besuchs der „Wissenswerkstatt“ zahlreiche naturwissenschaftliche und technische Erkenntnisse und zogen ein äußerst positives Resümee hinsichtlich der mehrperspektivischen Vernetzung an diesem außerschulischen Lernort.

Fotos: Claudia Gerdes

O schaurig ist’s übers Moor zu gehen …

O schaurig ist’s übers Moor zu gehn,
Wenn es wimmelt vom Heiderauche,
Sich wie Phantome die Dünste drehn
Und die Ranke häkelt am Strauche,
Unter jedem Tritte ein Quellchen springt,
Wenn aus der Spalte es zischt und singt,
O schaurig ist’s übers Moor zu gehn,
Wenn das Röhricht knistert im Hauche! […]

Annette von Droste-Hülshoff (1842)

Das Goldenstedter Moor als außerschulischer Lernort im Sachunterricht

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Foto: Claudia Gerdes

 So wie in dem Gedicht „Der Knabe im Moor“ von Annette von Droste-Hülshoff, wird das Moor auch gegenwärtig noch häufig als geheimnisvoller und zugleich faszinierender Ort dargestellt. Eine solche ästhetische Zugangsweise kann Ausgangspunkt für die Beschäftigung mit dem Lebensraum „Moor“ im Sachunterricht sein. Um Schüler/innen mit allen Sinnen an den Lebensraum heranzuführen und auf die Besonderheiten aufmerksam zu machen, eignet sich eine Exkursion ins Moor.

Das Sachunterrichtsseminar II erkundete daher kürzlich im Rahmen eines 3,5-stündigen Schulprogramms das Goldenstedter Moor, welches seit 1987 unter Naturschutz steht, und untersuchte seine Eignung als außerschulischen Lernort für das Fach Sachunterricht.

Zu Beginn konnten die Lehreranwärterinnen in einer 90-minütigen Fahrt mit der Moorbahn durchs Goldenstedter Moor das Moor als Ökosystem erleben und die verschiedenen Moorstadien, alte bäuerliche und industrielle Torfstiche sowie unberührte Moor- und Renaturierungsflächen erkennen. Die Begleitung durch Herrn Wohlfahrt ermöglichte eine vertiefende Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Moorlandschaften sowie den unterschiedlichen Tier- (z. B. Moorbläuling und Moosjungfer) und Pflanzenarten (z. B. Torfmoos, Wollgras, Moosbeere und Sonnentau) eines Moores.

Im Anschluss daran beschäftigten sich die Lehreranwärterinnen auf einem 800 Meter langen Moorerlebnispfad mit dem Aufbau, der Entwicklung, der Gefährdung, der Nutzung und den Formen der Regeneration des Hochmoores.

Abschließend wurde mit vereinten Kräften eine Torfprobe entnommen und gestochener Torf im Labor auf seine Bestandteile hin untersucht. Im Moortunnel konnten die Lehreranwärterinnen zudem in die „Unterwelt des Moores“ eintauchen und etwas über das Schicksal von Jan Spieker erfahren, der 1828 im Moor versank und erst 150 Jahre später gefunden wurde.

Am Ende waren sich die Lehreranwärterinnen einig: Das Goldenstedter Moor eignet sich hervorragend als außerschulischer Lernort im Sachunterricht, um unterschiedliche Kompetenzen in den Perspektiven „Raum“, „Natur“ und „Zeit und Geschichte“ zu erweitern. Die Veränderung des Landschaftsbildes und der Rückgang, gar Verlust, des natürlichen Lebensraums, u. a. durch intensive landwirtschaftliche Nutzung und jahrhundertelange Torfgewinnung, machte zudem deutlich, dass der mehrperspektivische Einblick die Basis für einen verantwortungsvollen Umgang mit dem gefährdeten Lebensraum „Moor“ bildet (BNE).

Text: Claudia Gerdes