Archiv des Autors: Detlev Daßke

Französische Lehrkräfte besuchen das Studienseminar Vechta

Foto: Detlev Daßke

(daßke) Kürzlich besuchten vier französische Lehrkräfte im Rahmen des EU-Förderprogramms Erasmus+ gemeinsam mit Herrn Dr. Schulte-Wieschen das Studienseminar Vechta für die Lehrämter an Grund-, Haupt- und Realschulen. Herr Dr. Schulte-Wieschen ist Koordinator für europäische und internationale Angelegenheiten im Schulbereich bei der Niedersächsischen Landesschulbehörde, Regionalabteilung Osnabrück.

Seitens des Studienseminars nahmen Frau SRn Maren Steuwer, Herr SKR Detlev Daßke sowie als PSLn Frau Annerose Schwarz an dem Treffen teil, in dem ein intensiver Austausch über das deutsche und französische Schulsystem sowie insbesondere über die Lehrerausbildung in beiden Ländern erfolgte, der Gemeinsamkeiten und Unterschiede deutlich werden ließ. Alle Beteiligten waren sich abschließend darüber einig, ein sehr interessantes und gewinnbringendes Gespräch geführt zu haben.

Am aktuellen Erasmus+-Projekt zwischen dem Copernicus-Gymnasium Löningen, seinen Partnerschulen und der “Direction Départementale des Services de l’Education Nationale de Charente Maritime” sind folgende Schulen unserer Region beteiligt: GS Astrid Lindgren Lastrup, GS Bunnen, GS Wachtum, GOBS Lindern und das Copernicus-Gymnasium in Löningen. Für die französischen Lehrkräfte standen während ihres Aufenthalts u. a. Besuche der beteiligten Schulen sowie der Universität Vechta auf dem Programm.

auf dem Foto (v. l. n. r.): Dr. Schulte-Wieschen, PSLn Annerose Schwarz, SRn Maren Steuwer sowie die französischen Lehrkräfte Aude Gandais, Marie Teze, Vanessa Bouju-Perio und Sylvie Sore.

“Hauptsache Kopf” verdrehte allen den Kopf

Grafik: Agnes von Döllen-Helmrich

(von döllen-helmrich) Für den Besuch eines außerschulischen Lernorts wählte das Fachseminar Kunst die Kunsthalle Emden aus. Kürzlich trafen sich alle Beteiligten, um die Ausstellung „Hauptsache Kopf – Jawlensky, Warhol, Cahn“ zu besichtigen.

Kopfdarstellungen – keine Portraits – wurden in der Kunsthalle anonymisiert, stilisiert, expressiv, reduziert, verfremdet, animalisch, seriell oder kopfüber präsentiert. Der Kopf bildete ausnahmslos die “Hauptsache” und hat durch die vielseitigen Kunstwerke allen Seminarteilnehmerinnen wortwörtlich den „Kopf verdreht“.

Einer interessanten und  kompetenten Führung durch die Sammlung folgte ein Comic-Workshop. In spielerischer digitaler Form entwickelten die Anwärterinnen im Team eine Comic-Seite mit Fotografien von den vorab gesehenen Kunstwerken. Vervollständigt wurde der Comic durch Sprechblasen und Textinformationen. Dabei entstanden ansprechende, witzige Ergebnisse (siehe Fotos). Dank einer einfach zu handhabenden App wird diese Idee sicher in der Folge im eigenen Kunstunterricht umgesetzt.

Bevor die Seminarteilnehmerinnen voller positiver Eindrücke die Heimreise antraten, warfen sie noch einen Blick in die Malschule der Kunsthalle Emden. Das verdrehte allen erneut den Kopf, denn die großzügige Licht-Luft-Raum-Gestaltung, wie im Malatelier wahrgenommen, wünscht sich jeder Kunstlehrer nicht nur für einen außerschulischen Lernort, sondern selbstverständlich auch für den eigenen schulischen Kunstraum.

Fotos: A. von Döllen-Helmrich

“Wie der Elefant auf den Vorplatz kam” – Grammatik-Workshop im Studienseminar Vechta

Foto: Sarah Stukenborg

(grawunder/framme) Lautes Lachen dringt aus dem Seminarraum. Vier angehende Deutschlehrerinnen stehen – angeleitet durch die Fachseminarleiterin S. Stukenborg – in einer Reihe, tragen bunte Stirnbänder und jeweils eine Wortkarte. Sie zeigen: Grammatikunterricht muss nicht staubtrocken sein, er kann auch Lernfreude wecken. Aus einem anfangs unsinnigen Satz entstehen nach und nach sinnvolle Satzkonstruktionen. Theoretische Ansätze werden mit der Umstellprobe handlungsorientiert geübt. Eine Lehrkraft im Vorbereitungsdienst sortiert die Wörter zu einem sinnvollen Satz. Bei diesem handelnd-reflektierenden Ansatz des Grammatikunterrichts sollen die Kinder später Satzglieder erkennen können. Sie sehen so, dass es Wörter gibt, die nicht getrennt werden dürfen, die sogar “eng befreundet” sind. Das wird auch durch die farbigen Stirnbänder visualisiert. Nur das Prädikat bleibt alleine – es ist ein “Einzelgänger”.

Heute geht es in den Fachseminaren Deutsch IV und VI um Grammatisches Lernen im Grundschulunterricht. Zwei Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst haben einen Workshop mit vielfältigen Angeboten zu Wortarten und Satzgliedern vorbereitet. Nach der Vorstellung der verschiedenen Materialstationen machen sich die Seminarteilnehmer ans Werk und arbeiten drauf los: Wortarten-Lapbooks, Satz-Rollen, Satz-Sterne und Verben-Fahrstühle stehen unter anderem zur Auswahl. Alle sind sich einig: Mit dem entstandenen Material lässt sich Grammatikunterricht spannender gestalten. Leistungsschwächere Kinder können auf diese Weise den Lerninhalt besser nachvollziehen und Erfolge verbuchen. Leistungsstarke Schüler hingegen können mittels der Materialien ihre Kenntnisse wiederholend, aber auch vertiefend anwenden.

Musik motiviert die Kinder zusätzlich zum Lernen. So erklärt zum Beispiel ein Song die Bedeutungen von Adjektiven oft besser als manches Grammatikbuch. Das probieren auch die Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst an diesem Tag aus. Sie bewegen sich zum Lied „Das ist gerade, das ist schief“.

„Kinder lernen durch Nachahmung“, sagt die Fachseminarleiterin S. Tetzner. Dann kann z. B.  dazu führen, ein Spiel gemeinsam mit den Kindern einzuführen, so können sie die Regeln leichter verstehen. Zum Beweis setzt sie sich mit mehreren Lehrkräften im Vorbereitungsdienst auf den Boden und spielt mit ihnen ein Satzgliederspiel. Dabei müssen verschiedene Sätze gebildet werden. Jeder würfelt. Bei einer bestimmten Zahl darf man eine der bunten Karten ziehen. Es entstehen auch Quatschsätze, wie „Ein riesiger Elefant tanzt auf dem Vorplatz des Zirkus’.“

Die gute Vorarbeit der Referentinnen hat sich an diesem Tag gelohnt. Die angehenden Grundschullehrer/innen sind mit einem großen Repertoire an Ideen nach Hause gefahren.

Fotos: Sarah Stukenborg

Besuch der Grundschule auf dem Süsteresch (Hauptpreisträger des Deutschen Schulpreises 2016)

Foto: Anna Muhle

(daßke) Die pädagogischen Seminare I und II besuchten kürzlich die Grundschule auf dem Süsteresch in Schüttorf, die besonders dadurch Bekanntheit erlangte, dass sie 2016 Hauptpreisträger des Deutschen Schulpreises wurde. Ziel des Seminars war es, sowohl inhaltliche als auch organisatorische Besonderheiten zu eruieren, um den innovativen pädagogischen Ansatz der Schule besser kennenzulernen.

In Kleingruppen erhielten die Seminarteilnehmer/innen Gelegenheit, einen Teil des Schulvormittags näher in Augenschein zu nehmen, der in den Klassen aus einem offenen Anfang, der Selbstlernzeit sowie einem Präsentationskreis bestand. Hier wurde die Lehrkraft zunehmend zum Lernbegleiter bzw. zum Lerncoach, da Schüler/innen sich interessengeleitet entschieden, welchem Inhalt sie sich besonders widmen mochten.

In der Folge erläuterte Rektor Heinrich Brinker das didaktisch-methodische Konzept und ging schwerpunktmäßig auf die Aspekte “Haltung”, “Wie funktioniert Lernen?” sowie “Beziehung” ein. Dem schloss sich ein Austausch aller Beteiligten an. Ergänzt wurden diese Informationen durch die Lehrkräfte Frau Claaßen und Herrn Kock, die die Schulentwicklung darstellten und das pädagogische Konzept weiter erläuterten. Viele Fragen – von “Wie lange dauert die Einarbeitung in das offene System?” bis hin zu “Wie werden DaZ-Schüler/innen betreut?” – wurden beantwortet.

Anschließend wurden die verschiedenen Lernateliers der Schule von den Seminarteilnehmerinnen und -teilnehmern begutachtet (Druckerei, Forscherlabor, Lichtblick, Musik- und Bewegungsraum, Lernwerkstatt Englisch, Malatelier, Bücherei, Tonstudio mit Schulradio, Baubude und Computerräume).

Beim abschließenden Austausch war man sich darüber einig, einen modernen, innovativen pädagogischen Ansatz erlebt zu haben, der an vielen Stellen Potential dafür bietet, zukünftig Elemente in die eigene pädagogische Arbeit zu übernehmen.

Fotos: Anna Muhle

 

Erneuter Einstellungsrekord am Studienseminar Vechta

Foto: Jochen Steinkamp

(daßke) Die Rektorin des Studienseminars Vechta für die Lehrämter an Grund-, Haupt- und Realschulen, Maren Steuwer (3. von links), sowie ihr Stellvertreter, Detlev Daßke (links), begrüßten kürzlich im großen Sitzungssaal des Kreishauses Vechta 63 neue Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst. Dies ist die größte Zahl angehender Lehrkräfte, die bislang an der Dienststelle vereidigt worden ist. Zugleich handelt es sich um die landesweit größte Einstellungszahl für das zweite Schulhalbjahr 2018/2019. Landrat Herbert Winkel (2. von links) hieß alle Anwesenden herzlich im Kreishaus Vechta willkommen und wies in seinem Grußwort auf den Beitrag des Kreises im Kontext der Digitalisierung hin, die auch für die Anwesenden eine große Rolle in ihrem zukünftigen unterrichtlichen Handeln spielen werde.

Die Rektorin des Studienseminars brachte ihre Hoffnung zum Ausdruck, dass alle angehenden Lehrkräfte ihre Bereitschaft zum Lernen beibehalten und ihre Kompetenzen weiterentwickeln mögen, um die anstehenden Herausforderungen zu meistern. Sie wünschte für den Start in die nun beginnende Unterrichtspraxis alles Gute. Alle Anwärterinnen und Anwärter haben ihr Studium an einer niedersächsischen Universität erfolgreich abgeschlossen und werden ihre weitere Ausbildung in den nächsten 18 Monaten an Grund-, Haupt-, Real- und Oberschulen im Oldenburger Münsterland absolvieren.

Fotos: Jochen Steinkamp (Landkreis Vechta)

Suchtprävention als pädagogische Herausforderung

Foto: Sandra Kaske

(helfer) Kürzlich fand im Studienseminar Vechta eine Sonderveranstaltung zum Thema „Suchtprävention“ statt. Als Gast wurde Frau Katharina Deeken von der Fachstelle für Sucht und Suchtprävention Cloppenburg der Stiftung Edith Stein begrüßt.

Anwärterinnen und Anwärter aus den pädagogischen Seminaren von Frau Kaske, Frau Neumann und Frau Obermeyer folgten im ersten Teil der Veranstaltung gespannt den allgemeinen Informationen, welche die Arbeit der Suchpräventionsstelle, die Entwicklung einer Abhängigkeit sowie den Paradigmenwechsel in der Suchtprävention früher und heute umfassten.

Im zweiten Teil schloss sich das eindrucksvolle „Tankstellenmodell“ an. Dabei setzten sich die Auszubildenden damit auseinander, mit welchen Gefühlen ein „Seelentank“ gefüllt sein muss, um sich gut zu fühlen (z. B. Vertrauen, Geborgenheit) und welche „Tankstellen“ aufgesucht werden, um den „Seelentank“ zu befüllen (z. B. Familie, Freunde, Hobbys). Im nächsten Schritt wurde demonstriert, welche „Tankstellen“ und „Tankinhalte“ bei einer Abhängigkeit wegfallen können und welche Auswirkungen dies auf Betroffene hat.

Nach dem theoretischen Input erfolgte im dritten Teil eine praktische Arbeitsphase. Dabei setzten sich die Teilnehmer/innen in Kleingruppen mit fünf unterschiedlichen Projekten auseinander, die von der Suchtpräventionsstelle entwickelt wurden und in Schulen des Primar- und Sekundarbereichs Anwendung finden. In einem gegenseitigen Austausch im Sinne des Gruppenpuzzles erhielten alle dabei die Möglichkeit, Inhalte der fünf vorgestellten Projekte kennenzulernen und selbst auszuprobieren.

Dieser Tag sensibilisierte angehende Lehrkräfte auf eindrucksvolle Weise für das Thema Suchtprävention in der Schule.

Fotos: Sandra Kaske

Besuch des Doms St. Petrus und der Religionspädagogischen Medienstelle in Osnabrück

Foto: Katrin Schwerdtfeger

(niehues) Im Rahmen einer Seminarsitzung unternahmen die Fachseminare Katholische Religion eine Exkursion nach Osnabrück. Nach einer Erkundung des Doms St. Petrus folgte eine Einheit zur Kirchenraumpädagogik. Hierzu wurden in Gruppenarbeit verschiedene Methoden erprobt und anschließend reflektiert. Der Besuch ermöglichte allen Seminarteilnehmer/innen einen interessanten Einblick in die Praxis der Kirchenraumpädagogik und bot außerdem Anreize zur möglichen Gestaltung einer Unterrichtsstunde.

Im Anschluss daran nahmen die Seminarteilnehmer/innen an einer Führung durch die Religionspädagogische Arbeitsstelle/Diözesanmedienstelle teil. Die Mitarbeiterinnen der Medienstelle stellten Medien vor und gaben einen Überblick über das Ausleihverfahren. Das Angebot zeichnet sich durch die große Vielfalt des religionspädagogischen Materials aus und reicht von Literatur, Unterrichtshilfen, Bildmaterial und Filmen bis hin zu Materialkoffern und biblischen Erzählfiguren. Insbesondere die Materialkoffer und die biblischen Erzählfiguren sind für Religionslehrkräfte hilfreich und bieten für den Unterricht wertvolles Anschauungsmaterial.

Die Medienstelle in Osnabrück hält zudem eine große und interessante Auswahl an didaktischen Arbeitshilfen und theologischer Fachliteratur bereit, die den Lehrkräften im Vorbereitungsdienst im Kontext der sachanalytischen und didaktischen Auseinandersetzung dienlich sein können. Die Seminarteilnehmer/innen nahmen daher zahlreiche Anregungen für ihren Unterricht mit nach Hause.

Fotos: Katrin Schwerdtfeger

Weihnachten in aller Welt?! – Interkulturelle Bildung im Sachunterricht

Foto: Claudia Gerdes

(gerdes) Geschmückte Häuser, ein Mistelzweig über der Tür, Strohböcke unter einem Tannenbaum oder Strümpfe am Kamin; Speisen, wie Karpfen, gefüllter Truthahn oder Kuchen mit kandierten Früchten, und Geschenke vom Weihnachtsmann, Christkind oder Väterchen Frost an verschiedenen Tagen – es gibt unglaublich viele unterschiedliche Weihnachtstraditionen und -bräuche, die auch in unseren kulturell vielfältigen Lerngruppen Bestand haben. Ist Weihnachten allerdings für alle Menschen auf der Welt ein bedeutsames Fest? Inwiefern wird Weihnachten in bestimmten Kulturkreisen gefeiert? Gibt es im Hinblick auf die Weihnachtstraditionen und -bräuche intra- und interkulturelle Gemeinsamkeiten und Unterschiede?

Der Inhalt Weihnachten bietet im Sachunterricht eine hervorragende Möglichkeit, lebensweltbezogen und exemplarisch die kulturelle Vielfalt in unserer Gesellschaft zu thematisieren und mit Blick auf die Kompetenzerwartungen der Perspektive Gesellschaft, Politik und Wirtschaft sowie der Interkulturellen Bildung u. a. dazu beizutragen, „Kenntnisse über unterschiedliche Lebens- und Sichtweisen zu erwerben“ sowie „Neugier, Offenheit und Verständnis für andere […]“ (KC SU 2017, S. 14) zu entwickeln.

Mit dem Thema „Weihnachten in aller Welt?!“ und den didaktisch-methodischen Umsetzungsmöglichkeiten beschäftigten sich demzufolge die drei Sachunterrichtsseminare im Rahmen einer gemeinsam Seminarveranstaltung. Neben der Erarbeitung einer möglichen Unterrichtseinheit und einer Übersicht über andere bedeutsame kulturelle Feste, inklusive schulrechtlicher Grundlagen, ging es vor allem um die praxisbezogene Auseinandersetzung mit dem Weihnachtsfest ausgewählter Länder bzw. Kulturkreise. Hierfür recherchierten die LiVD vorbereitend in Kleingruppen jeweils die Weihnachtstraditionen und -bräuche in Schweden, Großbritannien, Italien, Polen, Russland und Syrien und präsentierten die Informationen äußerst ansprechend, anschaulich und lerneffektiv, beispielsweise mittels Plakaten oder Triaramen, unterstützt u. a. mit länderspezifischem Gebäck, passender Weihnachtsmusik oder Videosequenzen.

Die Informationen wurden während eines Museumsgangs diskutiert und in einem angebotenen Themenheft dokumentiert. Abschließend wurden die Dokumentations- und Präsentationsformen hinsichtlich individueller unterrichtlicher Umsetzungsmöglichkeiten reflektiert. Mit Blick auf eine spätere Klassenlehrerfunktion wurden zudem sowohl fachspezifische als auch fächerübergreifende Buch- und Materialtipps vorgestellt, zudem erhielten die Teilnehmer/innen an einer Adventskalenderbörse Anregungen zur Gestaltung der Vorweihnachtszeit.

In diesem Sinne: God Jul! Merry Christmas! Buon Natale! Milad Majid! Frohe Weihnachten!

Fotos: Claudia Gerdes

“Ich glaube, dass ich bisher in einer rosaroten Wolke gelebt habe.” – Ein Besuch in der Justizvollzugsanstalt Vechta

(obermeyer) Kürzlich unternahm das pädagogische Seminar 5 unter der Leitung von Frau Obermeyer eine Besichtigung der JVA Vechta (Jungtätervollzug). Ein solcher Besuch stellt für die zukünftigen Lehrkräfte einen interessanten Aspekt der Ausbildung dar.

Zunächst wurde bei einem Rundgang durch die JVA Vechta u.a. ein Haftraum besichtigt und ein Ausbildungsbetrieb in Augenschein genommen. Während der fachkundigen Führung wurden die Fragen der Seminarteilnehmer/innen ausführlich beantwortet. Besuchsoptionen und -abläufe, Einkäufe und der Alltag in der JVA wurden anschaulich erklärt. Der Kontakt nach „draußen“ kann über Telefonate gehalten werden und Besuche dürfen regelmäßig stattfinden. Da momentan 45 Nationen in der JVA vertreten sind, stellen Gespräche mit den Inhaftierten oftmals eine große Herausforderung dar.

Anschließend gab der Fachbereichsleiter “Bildung der Gefangenen” Informationen zu möglichen Haupt- oder Realschulabschlüssen, zu den dualen Berufsausbildungen (Maurer, Hochbaufacharbeiter, Maler, Fahrzeuglackierer, Fachkraft Metalltechnik, Tischler, Kfz–Mechatroniker), zu diversen Einstiegsqualifizierungen und zum Schweißerkurs. Außerdem wurden Statistiken zu Schülerzahlen, schulischen und beruflichen Abschlüssen, zu den verschiedenen Kooperationspartnern und zum Controlling vorgestellt.

Nach diesem Input stellten sich drei inhaftierte junge Männer den Fragen der angehenden Lehrkräfte. Aspekte aus dem Alltag und dem Leben in der JVA wurden angesprochen, darüber hinaus kam es auch zu einem Vergleich der Schule in der JVA mit der Schule, die die jungen Männer in ihrer Jugend kennengelernt hatten.

Klar angesprochen wurden die Vorteile, die die Schule im Gefängnis für die jungen Inhaftierten bietet. Alle beschrieben die Lehrkräfte als sehr an ihnen und ihrer Entwicklung interessiert; es wurden auch Ideen zur Prävention von Schulabsentismus und bei Drogenkontakt „draußen“ für die zukünftigen Lehrerinnen und Lehrer abgeleitet. Als Ursache für ihre Biographie und das Einsitzen in der JVA sahen die drei Männer die Schule jedoch nicht. Gemeinsam war alle dreien, dass sie früh in Kontakt mit Drogen gekommen sind. Eine Lehrkraft der JVA berichtete von schönen, aber auch herausfordernden Situationen ihrer Arbeit in der JVA.

Voller Eindrücke und auch sehr aufgewühlt von den Berichten und Biographien neigte sich der Besuch dem Ende zu. Kurz vor dem Tor brachte es eine angehende Lehrkraft sehr gezielt auf den Punkt: „Ich wusste zwar, dass es Drogen gibt, auch in meinem Umfeld, bin damit jedoch nie in Kontakt gekommen … jetzt gerade habe ich das Gefühl, ich habe bisher in einer rosaroten Wolke gelebt.“ Dem konnte das Seminar nur zustimmen.

„Vom Eintauchen in fremde Welten“ – Besuch der Kinder- und Jugendbuchmesse in Oldenburg

Foto: Steffi Tetzner

(arkenau) Das leise Rascheln der Buchseiten ist auf jeder Etage in dem historischen Gebäude an der Peterstraße zu hören, dazu kommt der Duft, den nur frischgedruckte Bücher verströmen. Überall sieht man sie – Bücher über Bücher sowie kleine und große Leserinnen und Leser, die zwischen den Seiten in andere Welten eintauchen, von Seite zu Seite schlagen, nach anderen Exemplaren erwartungsvoll greifen und mit ihren Händen über neue Cover fahren.

Vier Deutschseminare des Studienseminars Vechta durften in diese Welt der Bücher im Rahmen eines Besuchs der 44. Kinder- und Jugendbuchmesse in Oldenburg (KIBUM) eintauchen und dabei fast 2.500 Neuerscheinungen des deutschsprachigen Kinder- und Jugendbuchmarktes begutachten. Schirmherr der diesjährigen KIBUM ist der bekannte Autor und „Sams“-Erfinder Paul Maar, dessen ausgestellte Bücher und Original-Illustrationen den Besuch begleiteten.

Während das Deutschseminar IV von Frau Tetzner und das Deutschseminar VI von Frau Stukenborg diese und andere Kinderbücher für den Vorschul- und Grundschulbereich intensiv in Augenschein nahmen, begutachteten das Deutschseminar II von Herrn Teschner und das Deutschseminar V von Frau Arkenau vor allem die Jugendbuchliteratur für Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe I.

Die Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst hielten Ausschau nach Neuerscheinungen für ihren Unterricht und trafen dabei auf unterschiedliche Themen und Genres, die auch Möglichkeiten des fächerübergreifenden bzw. -verbindenden Arbeitens eröffnen. Des Weiteren erblickten sie Verbundmedien, wie etwa Literatur in einfacher Sprache oder Graphic Novels, die im inklusiven Literaturunterricht Verwendung finden können. Zudem setzten sich die angehenden Lehrkräfte mit Möglichkeiten auseinander, inwiefern ein außerschulischer Lernort im Deutschunterricht, den die KIBUM darstellt, sinnvoll in den Unterricht integriert werden kann und reflektierten den Mehrwert dieses Ausstellungsbesuchs im Rahmen der eigenen Professionalisierung. Neben der Beleuchtung dieser fachlichen Aspekte blieb jedoch auch genügend Zeit, in Ruhe zu stöbern und die vielen Bücher auf sich wirken zu lassen.

Und so endete schließlich dieser Besuch der KIBUM nicht nur mit vielen Anregungen und einem intensiven Austausch für und über den eigenen Lese- und Literaturunterricht, sondern stellte für die vier Deutschseminare eine Möglichkeit dar, zeitweilig in fremde (Buch-)Welten einzutauchen und diese zu genießen.

Fotos: Henning Teschner und Steffi Tetzner.