Schlagwort-Archive: Geschichte

Außerschulisches Lernen im regionalen Umfeld

Foto: Anke Szepaniak

(szepaniak) Das Freilichtmuseum Museumsdorf Cloppenburg liegt zentral im Ausbildungsgebiet des Studienseminars Vechta und bietet insbesondere für den gesellschaftswissenschaftlichen Unterricht viele Möglichkeiten, außerschulisch zu lernen. Das Fachseminar Geschichte/Politik besuchte kürzlich das Museum, um insbesondere das museumspädagogische Angebot für die Sekundarstufe I im Fach Geschichte kennen zu lernen.

Der Leiter der Museumspädagogik, Herr Lukas Aufgebauer, führte die LiVD und Quereinsteiger des Fachseminars zu einigen ausgewählten Bauwerken aus dem Oldenburger Münsterland, die exemplarisch das Leben der bäuerlichen Gesellschaft in den letzten Jahrhunderten entscheidend prägten. Diese Quellen bieten authentische und erstaunliche Geschichten über das harte und entbehrungsreiche Leben der ländlichen Bevölkerung des Oldenburger Münsterlandes. Auch über zukünftige Projekte und Erweiterungen des Museums wurden die Teilnehmer informiert; so ist der Aufbau einer typischen dörflich geprägten Diskothek („Zum Sonnenstein“ aus Harpstedt) geplant. Damit soll der Blick auch auf das dörflich geprägte Leben nach dem Zweiten Weltkrieg gewendet werden.

Zeitgleich konnten die LiVD die Museumspädagogen in Aktion erleben: Eine Jugendgruppe wurde im Hof Haake über das Leben, Wohnen, Essen und Arbeiten der Bauern und Heuersleute im 19. Jahrhundert projektorientiert unterrichtet. Dabei wurde gemeinsam an der Feuerstelle des Hofes ein typischer Eintopf aus der Zeit angefertigt und gegessen. Die Schüler erlebten so Geschichte hautnah. Die Vorstellung weiterer handlungsorientierter Workshops im Umgang mit Geschichte vor Ort und eine abschließende Diskussion mit Herrn Aufgebauer rundeten die Fachexkursion ab.

Die beteiligten LiVD und Quereinsteiger können nun – mit einem Paket an Eindrücken und Informationen – das hiesige Freilichtmuseum in ihren Schulen vorstellen und einen fachbezogenen Besuch mit einer ihrer Lerngruppen planen und durchführen.

Fotos: A. Szepaniak

Besuch der Friedensstadt Osnabrück

Foto: Fach Geschichte

Foto: Fachseminar Geschichte

(szepaniak) Das Fachseminar Geschichte und Politik besuchte kürzlich die Stadt Osnabrück im Zuge der fachdidaktisch-methodischen Ausgestaltungsmöglich- keiten außerschulischer Lernorte im Fachunterricht.

Aufgrund der guten Zuganbindung mit dem Ausbildungsgebiet bietet sich eine Exkursion mit Schulklassen in der von Karl dem Großen gegründeten Stadt für den Geschichtsunterricht an. Inwieweit sich die vielfältigen stadtgeschichtlichen Themen tatsächlich unterrichtspraktisch integrieren lassen, wurde an Ort und Stelle von den Fachseminarteilnehmerinnen und -teilnehmern erkundet.

Mithilfe einer fachkundigen Führung durch das historische Rathaus und durch die historische Altstadt wurden Themenbereiche sowohl zur Reformation und den Glaubenskriegen (insbesondere Westfälischer Frieden) , als auch zur mittelalterlichen Stadtentwicklung aufgezeigt. Das Leben und Wirtschaften der Osnabrücker Bürger durch verschiedene Jahrhunderte hindurch wurde dabei eindrucksvoll vermittelt. Sachkundig und methodisch vielfältig wurden Möglichkeiten der Vermittlungsansätze anhand von unterschiedlichen historischen Gebäuden, Straßen, Stadttoren und Denkmälern aus der Vergangenheit aufgezeigt.

Hinweis: Das pädagogische Stadtführungsprogramm umfasst weitere Möglichkeiten zur Einbindung in den Geschichtsunterricht, z.B. zum Nationalsozialismus in Osnabrück oder zu den Osnabrücker Hexenprozessen.

Fotos: Anke Szepaniak

O schaurig ist’s übers Moor zu gehen …

O schaurig ist’s übers Moor zu gehn,
Wenn es wimmelt vom Heiderauche,
Sich wie Phantome die Dünste drehn
Und die Ranke häkelt am Strauche,
Unter jedem Tritte ein Quellchen springt,
Wenn aus der Spalte es zischt und singt,
O schaurig ist’s übers Moor zu gehn,
Wenn das Röhricht knistert im Hauche! […]

Annette von Droste-Hülshoff (1842)

Das Goldenstedter Moor als außerschulischer Lernort im Sachunterricht

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Foto: Claudia Gerdes

 So wie in dem Gedicht „Der Knabe im Moor“ von Annette von Droste-Hülshoff, wird das Moor auch gegenwärtig noch häufig als geheimnisvoller und zugleich faszinierender Ort dargestellt. Eine solche ästhetische Zugangsweise kann Ausgangspunkt für die Beschäftigung mit dem Lebensraum „Moor“ im Sachunterricht sein. Um Schüler/innen mit allen Sinnen an den Lebensraum heranzuführen und auf die Besonderheiten aufmerksam zu machen, eignet sich eine Exkursion ins Moor.

Das Sachunterrichtsseminar II erkundete daher kürzlich im Rahmen eines 3,5-stündigen Schulprogramms das Goldenstedter Moor, welches seit 1987 unter Naturschutz steht, und untersuchte seine Eignung als außerschulischen Lernort für das Fach Sachunterricht.

Zu Beginn konnten die Lehreranwärterinnen in einer 90-minütigen Fahrt mit der Moorbahn durchs Goldenstedter Moor das Moor als Ökosystem erleben und die verschiedenen Moorstadien, alte bäuerliche und industrielle Torfstiche sowie unberührte Moor- und Renaturierungsflächen erkennen. Die Begleitung durch Herrn Wohlfahrt ermöglichte eine vertiefende Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Moorlandschaften sowie den unterschiedlichen Tier- (z. B. Moorbläuling und Moosjungfer) und Pflanzenarten (z. B. Torfmoos, Wollgras, Moosbeere und Sonnentau) eines Moores.

Im Anschluss daran beschäftigten sich die Lehreranwärterinnen auf einem 800 Meter langen Moorerlebnispfad mit dem Aufbau, der Entwicklung, der Gefährdung, der Nutzung und den Formen der Regeneration des Hochmoores.

Abschließend wurde mit vereinten Kräften eine Torfprobe entnommen und gestochener Torf im Labor auf seine Bestandteile hin untersucht. Im Moortunnel konnten die Lehreranwärterinnen zudem in die „Unterwelt des Moores“ eintauchen und etwas über das Schicksal von Jan Spieker erfahren, der 1828 im Moor versank und erst 150 Jahre später gefunden wurde.

Am Ende waren sich die Lehreranwärterinnen einig: Das Goldenstedter Moor eignet sich hervorragend als außerschulischer Lernort im Sachunterricht, um unterschiedliche Kompetenzen in den Perspektiven „Raum“, „Natur“ und „Zeit und Geschichte“ zu erweitern. Die Veränderung des Landschaftsbildes und der Rückgang, gar Verlust, des natürlichen Lebensraums, u. a. durch intensive landwirtschaftliche Nutzung und jahrhundertelange Torfgewinnung, machte zudem deutlich, dass der mehrperspektivische Einblick die Basis für einen verantwortungsvollen Umgang mit dem gefährdeten Lebensraum „Moor“ bildet (BNE).

Text: Claudia Gerdes