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„Ich glaube, dass ich bisher in einer rosaroten Wolke gelebt habe.“ – Ein Besuch in der Justizvollzugsanstalt Vechta

(obermeyer) Kürzlich unternahm das pädagogische Seminar 5 unter der Leitung von Frau Obermeyer eine Besichtigung der JVA Vechta (Jungtätervollzug). Ein solcher Besuch stellt für die zukünftigen Lehrkräfte einen interessanten Aspekt der Ausbildung dar.

Zunächst wurde bei einem Rundgang durch die JVA Vechta u.a. ein Haftraum besichtigt und ein Ausbildungsbetrieb in Augenschein genommen. Während der fachkundigen Führung wurden die Fragen der Seminarteilnehmer/innen ausführlich beantwortet. Besuchsoptionen und -abläufe, Einkäufe und der Alltag in der JVA wurden anschaulich erklärt. Der Kontakt nach „draußen“ kann über Telefonate gehalten werden und Besuche dürfen regelmäßig stattfinden. Da momentan 45 Nationen in der JVA vertreten sind, stellen Gespräche mit den Inhaftierten oftmals eine große Herausforderung dar.

Anschließend gab der Fachbereichsleiter „Bildung der Gefangenen“ Informationen zu möglichen Haupt- oder Realschulabschlüssen, zu den dualen Berufsausbildungen (Maurer, Hochbaufacharbeiter, Maler, Fahrzeuglackierer, Fachkraft Metalltechnik, Tischler, Kfz–Mechatroniker), zu diversen Einstiegsqualifizierungen und zum Schweißerkurs. Außerdem wurden Statistiken zu Schülerzahlen, schulischen und beruflichen Abschlüssen, zu den verschiedenen Kooperationspartnern und zum Controlling vorgestellt.

Nach diesem Input stellten sich drei inhaftierte junge Männer den Fragen der angehenden Lehrkräfte. Aspekte aus dem Alltag und dem Leben in der JVA wurden angesprochen, darüber hinaus kam es auch zu einem Vergleich der Schule in der JVA mit der Schule, die die jungen Männer in ihrer Jugend kennengelernt hatten.

Klar angesprochen wurden die Vorteile, die die Schule im Gefängnis für die jungen Inhaftierten bietet. Alle beschrieben die Lehrkräfte als sehr an ihnen und ihrer Entwicklung interessiert; es wurden auch Ideen zur Prävention von Schulabsentismus und bei Drogenkontakt „draußen“ für die zukünftigen Lehrerinnen und Lehrer abgeleitet. Als Ursache für ihre Biographie und das Einsitzen in der JVA sahen die drei Männer die Schule jedoch nicht. Gemeinsam war alle dreien, dass sie früh in Kontakt mit Drogen gekommen sind. Eine Lehrkraft der JVA berichtete von schönen, aber auch herausfordernden Situationen ihrer Arbeit in der JVA.

Voller Eindrücke und auch sehr aufgewühlt von den Berichten und Biographien neigte sich der Besuch dem Ende zu. Kurz vor dem Tor brachte es eine angehende Lehrkraft sehr gezielt auf den Punkt: „Ich wusste zwar, dass es Drogen gibt, auch in meinem Umfeld, bin damit jedoch nie in Kontakt gekommen … jetzt gerade habe ich das Gefühl, ich habe bisher in einer rosaroten Wolke gelebt.“ Dem konnte das Seminar nur zustimmen.

Hinter Gittern – Pädagogikseminare besuchen Schulabteilung der JVA Vechta

Foto: Studienseminar

Foto: Studienseminar

Kürzlich besuchten die Pädagogikseminare IV und VI den geschlossenen Strafvollzug für „Jungtäter“ in der Justizvollzugsanstalt Vechta. Dort sitzen männliche Gefangene ein, die bei ihrem Strafantritt nicht älter als 24 Jahre sind. Neben einer Führung über das Gelände galt der Besuch im Zusammenhang mit der pädagogischen Ausbildung am Studienseminar Vechta vor allem der Schulabteilung der JVA.

Auf dem Weg zu den Räumlichkeiten der integrierten Schule führte der Öffentlichkeitbeauftragte der JVA, Markus Niehues, die Gruppe über das Gelände und informierte die Besucher unter anderem über die Möglichkeiten der Berufsausbildung innerhalb des Gefängnisses. Folgende Ausbildungsberufe werden dort angeboten:

  • Bautechnik (Hochbaufacharbeiter, Maurer)
  • Farbtechnik (Kraftfahrzeuglackierer, Maler und Lackierer, Bauten- und Objektbeschichter)
  • Holztechnik (Tischler)
  • Fahrzeugtechnik (Kfz-Mechatroniker)
  • Metalltechnik (Fachkraft für Metalltechnik, Konstruktionsmechaniker)

In den Schulräumen angekommen erhielten die Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst vom Leiter der Schulabteilung, Manfred Tiemerding, Informationen zur Schule selbst und zu der schulischen Vor- und Ausbildung der Arrestanten. Interessant für Lehrkräfte waren dabei die besonderen Aufnahmeregularien für die Anstellung als Lehrer/in im Vollzug. Neben den üblichen Voraussetzungen muss vor allem die persönliche Eignung in einem Ausbildungsgespräch dargelegt werden.

Aus Gründen der Sicherheit weicht die Einrichtung der Schule ebenfalls von normalen Klassenräumen ab. So waren die Räume eher schlicht und zweckdienlich gestaltet – von den Gittern vor jedem Klassenraum ganz zu schweigen. Auch diese räumlichen Gegebenheiten stellen spezielle Anforderungen dar, mit denen sich eine Lehrkraft im Vollzug arrangieren muss.

Im abschließenden Gespräch mit zwei Arrestanten wurde deutlich, dass bei den meisten Schulbesuchern der Wille zum Bestehen des angestrebten Abschlusses vorhanden scheint. Die Exkursion war sehr interessant und zeigte eine ganz andere und zugleich doch sehr ähnliche Variante des normalen Berufs als Lehrer/in.

Text: Mike Steinkamp