Die Natur mit Insektenaugen betrachten

Während wir Menschen uns an leuchtend roten Mohnblumen sehr erfreuen, haben Bienen ganz andere Favoriten: zum Beispiel unscheinbar weiße Gänseblümchen. Denn ihre Augen, die sogenannten Facettenaugen, sehen die Welt in einem anderen Farbspektrum. Die Lehramtsanwärterinnen Lea Groß und Simone Arlinghaus knien sich ins Gras zu einer knallig leuchtenden Zinnie. Sie halten sich ein spezielles Okular vor das Auge, das das Sehvermögen der gelb-schwarzen Insekten simuliert. Mit diesem Hilfsmittel können sie nämlich das ebenfalls besondere „gerasterte Sehen“ der Bienen nachvollziehen. Gemeinsam mit dem Fachseminar Biologie und dessen Seminarleiterin Bettina Müller-Link besuchten Groß und Arlinghaus den „Park der Gärten“ in Bad Zwischenahn.

Der „Park der Gärten“ ist ein anerkannter außerschulischer Lernort. Auf rund 14 Hektar bietet er pädagogische Programme für verschiedene Schulformen und Jahrgangsstufen. Vor Ort können Lerngruppen, orientiert an den Vorgaben der Kerncurricula für das Fach Biologie, den Park sowohl in praxisnahen Kursen als auch bei Erkundungen auf eigene Faust durch die verschiedenen Themengärten entdecken. „Wir finden in Bad Zwischenahn eine Vielzahl an Möglichkeiten, die unsere Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst ganz praxisnah als Einstieg, als Ergänzung oder auch als Vertiefung innerhalb ihres Biologieunterrichts einsetzen können“, erklärt Fachseminarleiterin Bettina Müller-Link. „Die Anwärterinnen und Anwärter sammeln hier Ideen, die sie im eigenen Unterricht schon während des Vorbereitungsdienstes am Studienseminar Vechta, aber auch später für ihre schulische Arbeit nutzen können.“

Im weitläufigen Kräutergarten kniet die Gruppe zwischen duftenden Beeten. Durch Zerreiben der Blätter und mithilfe des Geruchs- und Tastsinns erleben sie den Unterschied zwischen Thymian und Zitronenmelisse hautnah. Auch diverse Themen der Botanik wie Pflanzenphänologie und -physiologie können im Bad Zwischenahner Park thematisiert werden. So hatten die Lehramtsanwärter die Möglichkeit, Teile von Blütenpflanzen mit deren korrekten Fachbegriffen zu versehen und mehrere Pflanzen miteinander zu vergleichen. „Sehr anschaulich kann an dieser Stelle auch auf die Aspekte der Keimung und Quellung eingegangen werden oder die Entwicklung der Blüte bis zur Frucht besprochen werden“, stellt Müller-Link den Bezug zum Biologieunterricht her.

Zufrieden und erfüllt von vielen Eindrücken trifft sich die Seminargruppe am fast 20 Meter hohen Aussichtsturm des „Parks der Gärten“. Von hier aus hat man einen guten Überblick über die insgesamt 44 Mustergärten der Anlage. „Der organisatorische Aufwand für den Besuch eines außerschulischen Lernortes mit einer Schülergruppe ist recht groß – doch die Erfahrungen, die die Lernenden hier sammeln, sind unbezahlbar“, resümiert Seminarleiterin Müller-Link die Exkursion mit ihrem Biologieseminar.