Schlagwort-Archive: Gerdes

Weihnachten in aller Welt?! – Interkulturelle Bildung im Sachunterricht

Foto: Claudia Gerdes

(gerdes) Geschmückte Häuser, ein Mistelzweig über der Tür, Strohböcke unter einem Tannenbaum oder Strümpfe am Kamin; Speisen, wie Karpfen, gefüllter Truthahn oder Kuchen mit kandierten Früchten, und Geschenke vom Weihnachtsmann, Christkind oder Väterchen Frost an verschiedenen Tagen – es gibt unglaublich viele unterschiedliche Weihnachtstraditionen und -bräuche, die auch in unseren kulturell vielfältigen Lerngruppen Bestand haben. Ist Weihnachten allerdings für alle Menschen auf der Welt ein bedeutsames Fest? Inwiefern wird Weihnachten in bestimmten Kulturkreisen gefeiert? Gibt es im Hinblick auf die Weihnachtstraditionen und -bräuche intra- und interkulturelle Gemeinsamkeiten und Unterschiede?

Der Inhalt Weihnachten bietet im Sachunterricht eine hervorragende Möglichkeit, lebensweltbezogen und exemplarisch die kulturelle Vielfalt in unserer Gesellschaft zu thematisieren und mit Blick auf die Kompetenzerwartungen der Perspektive Gesellschaft, Politik und Wirtschaft sowie der Interkulturellen Bildung u. a. dazu beizutragen, „Kenntnisse über unterschiedliche Lebens- und Sichtweisen zu erwerben“ sowie „Neugier, Offenheit und Verständnis für andere […]“ (KC SU 2017, S. 14) zu entwickeln.

Mit dem Thema „Weihnachten in aller Welt?!“ und den didaktisch-methodischen Umsetzungsmöglichkeiten beschäftigten sich demzufolge die drei Sachunterrichtsseminare im Rahmen einer gemeinsam Seminarveranstaltung. Neben der Erarbeitung einer möglichen Unterrichtseinheit und einer Übersicht über andere bedeutsame kulturelle Feste, inklusive schulrechtlicher Grundlagen, ging es vor allem um die praxisbezogene Auseinandersetzung mit dem Weihnachtsfest ausgewählter Länder bzw. Kulturkreise. Hierfür recherchierten die LiVD vorbereitend in Kleingruppen jeweils die Weihnachtstraditionen und -bräuche in Schweden, Großbritannien, Italien, Polen, Russland und Syrien und präsentierten die Informationen äußerst ansprechend, anschaulich und lerneffektiv, beispielsweise mittels Plakaten oder Triaramen, unterstützt u. a. mit länderspezifischem Gebäck, passender Weihnachtsmusik oder Videosequenzen.

Die Informationen wurden während eines Museumsgangs diskutiert und in einem angebotenen Themenheft dokumentiert. Abschließend wurden die Dokumentations- und Präsentationsformen hinsichtlich individueller unterrichtlicher Umsetzungsmöglichkeiten reflektiert. Mit Blick auf eine spätere Klassenlehrerfunktion wurden zudem sowohl fachspezifische als auch fächerübergreifende Buch- und Materialtipps vorgestellt, zudem erhielten die Teilnehmer/innen an einer Adventskalenderbörse Anregungen zur Gestaltung der Vorweihnachtszeit.

In diesem Sinne: God Jul! Merry Christmas! Buon Natale! Milad Majid! Frohe Weihnachten!

Fotos: Claudia Gerdes

Lapbooks im Sachunterricht

Foto: Claudia Gerdes

(gerdes) Lapbooks werden im Sachunterricht immer beliebter. Sicherlich nicht verwunderlich, denn die mehrfach aufklappbaren Faltbücher bzw. Mappen zu einem Thema mit diversen Falt- und Schnittelementen, wie beispielsweise Fächer, Minibücher oder Drehscheiben, sind in der Regel sehr ansprechend. Der eigentliche Unterrichtsinhalt darf jedoch nicht auf reine Bastelei reduziert werden. Das Lapbook ist – wie alle anderen Medien im schulischen Kontext auch – als Unterrichtshilfsmittel zu verstehen.

Inwiefern das Medium Lapbook didaktisch-methodisch sinnvoll im Sachunterricht eingesetzt werden kann, war daher Thema einer Seminarveranstaltung der Fachseminare Sachunterricht I und II. Neben theoretischen Grundlagen zu den Chancen und Zielen dieses Mediums, u. a. zur individualisierten, kompetenzorientierten Auseinandersetzung mit einem Lerninhalt oder als eine mögliche Form fachspezifischer Leistungsbewertung, erstellten die Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst zu je einem ausgewählten Inhalt aus den Perspektiven “Raum” sowie “Gesellschaft, Politik und Wirtschaft” ein eigenes („Anschauungs-“)Lapbook. Zudem wurden wesentliche Schritte der Planung, Durchführung und Reflexion beim Erstellen bzw. Einsatz von Lapbooks im Sachunterricht diskutiert sowie mögliche inhalts- und prozessbezogene Bewertungskriterien erarbeitet.

„Nicht nur IN der Schule lernen wir …“ – Außerschulisches Lernen im Sachunterricht

Foto: Claudia Gerdes

(gerdes) Sachunterricht muss und sollte nicht ausschließlich in der Schule oder im Klassenraum stattfinden. Viel häufiger sollte es raus aus dem Klassenzimmer gehen, um beispielsweise die unmittelbare Lebenswelt zu erkunden, im Unterricht angesprochene Inhalte besser zu begreifen und zu verstehen oder neue Aspekte aktiv zu erforschen und zu entdecken. Multisensorisches Lernen, unmittelbare, originale Begegnung, Lebensnähe, regionales Lernen, selbsttätiges Lernen – dies sind nur einige Chancen und Prinzipien, die für das Einbeziehen außerschulischer Lernorte in den Sachunterricht sprechen. Um einen wirksamen Zusammenhang zwischen außer- und innerschulischem Lernen herzustellen, bedarf es einer fundierten Planung seitens der Lehrkraft.

Im Rahmen einer gemeinsamen Veranstaltung der Sachunterrichtsseminare beschäftigten sich die LiVD daher neben theoretischen Grundlagen mit allgemeinen organisatorischen sowie didaktisch-methodischen Planungsüberlegungen. So wurden exemplarisch für den Lernort Bauernhof u. a. das Bildungspotential des Lernortes eruiert sowie Überlegungen zur Vor- und Nachbereitung eines möglichen Besuchs diskutiert.

In der darauffolgenden Seminarveranstaltung erkundeten alle gemeinsam den Hof Klostermann in Cappeln/Warnstedt, zugehörig zum Verein LaUB, und überprüften die zuvor angestellten Überlegungen vor Ort. Herr Benno Klostermann und sein Team gaben im Rahmen eines für Schüler und Schülerinnen ausgearbeiteten Programms u. a. Einblicke in die Lebens- und Arbeitswelt eines landwirtschaftlichen Betriebs und ermöglichten die direkte Begegnung mit Tieren, Pflanzen und Maschinen. So wurden beispielsweise auf dem Hof und im Garten Pflanzen bestimmt und verschiedene heimische Obstsorten gekostet. In einer Lagerhalle wurden verschiedene Getreidesorten vorgestellt, es wurde über die Fütterung für die Schweinemast informiert und beispielhaft eine Futtermischung errechnet und zusammengestellt. In den hofeigenen Ställen konnte – im wahrsten Sinne des Wortes – hautnah beobachtet und erfahren werden, wie Hühner und Schweine gehalten werden; Experteninformationen (Wissen Sie z. B., was die Ohrscheiben von Hühnern mit der Eierfarbe zu tun haben?) inklusive.

In einer gemeinsamen Abschlussrunde auf der Hofdiele resümierten die LiVD den Lernort Bauernhof unter Berücksichtigung der vielen neu gewonnenen oder vertieften Erkenntnisse sowie aufgrund der Möglichkeit des erlebnis-, erfahrungs- und handlungsorientierten Erfassens unterschiedlicher landwirtschaftlicher Aspekte als einen sehr geeigneten außerschulischen Lernort im Sachunterricht und bedankten sich für die engagierte Hofführung sowie für die vielen einprägsamen Erlebnisse und Erfahrungen.

Fotos: Claudia Gerdes

Begegnung mit Technik – Technisches Lernen im Sachunterricht

Fotos: Claudia Gerdes

(gerdes) Unsere Lebenswelt ist geprägt von technischen Phänomenen. Überall sind und nutzen wir technische Geräte und Errungenschaften, wie beispielsweise den Computer, das Handy, die Waschmaschine oder den Fahrstuhl; Bauwerke, wie Brücken und Türme, sowie Fortbewegungsmittel, wie z. B. das Auto oder das Fahrrad. Kinder wachsen in dieser technisierten Welt auf und verwenden Technik i. d. R. selbstverständlich im Alltag und im Spiel. Ihr Umgang mit Technik ist jedoch meist nur auf ein Bedienungs- und Umgangswissen reduziert; verborgen bleibt ihnen oftmals das Wissen über Entstehungs-, Funktions- und Wirkungszusammenhänge sowie über Folgewirkungen von Technik. Kinder haben allerdings Interesse daran, hinter die „Dinge“ zu schauen. Sie möchten wissen, wie z. B. etwas funktioniert, woraus und wie etwas gemacht ist, wo etwas herkommt und wie es entsteht oder entstanden ist.

Der Sachunterricht in der Grundschule soll an dieses Interesse anknüpfen und den Schülern und Schülerinnen Zugänge zu technischem Handeln und Denken ermöglichen. Dabei stellen das Konstruieren und Herstellen, das Erkunden und Analysieren, das Nutzen, das Bewerten und die Kommunikation von und über Technik zentrale Denk-, Arbeits- und Handlungsweisen dar. Die Stabilität bei technischen Gebilden, Werkzeuge, Geräte und Maschinen, Arbeitsstätten und Berufe, die Umwandlung und Nutzung von Energie und technische Erfindungen sind perspektivenbezogene Themenbereiche (vgl. Perspektivrahmen Sachunterricht, Perspektive Technik).

Aufgrund der hohen gegenwärtigen und zukünftigen Bedeutung des technischen Bildungsbereichs haben sich die LiVD des Fachseminars Sachunterricht II im Rahmen einer Seminarsitzung mit dem technischen Lernen im Sachunterricht auseinandergesetzt. Nach der Einführung theoretischer Grundlagen stellten die LiVD zum einen ein Zahnradgetriebe u. a. mit Marmeladenglasdeckeln, Wellpappe, Gewindestangen mit Muttern und einer Pappschachtel her, zum anderen wurde beim Bau einer Brücke aus Papier gemeinsam getüftelt/probiert/konstruiert. In einer abschließenden Reflexion des Bildungspotentials dieser exemplarisch gewählten Inhalte und Aufgaben hoben die LiVD insbesondere die (eigene) Begeisterung bei der problemorientierten, aktiv-handelnden Auseinandersetzung hervor – eine Begeisterung, die auch an Schüler und Schülerinnen übertragen werden kann und soll, um neben dem Aufbau technischen Könnens und Wissens gleichsam eine positive Einstellung und Haltung zu Technik zu unterstützen.

O schaurig ist’s übers Moor zu gehen …

O schaurig ist’s übers Moor zu gehn,
Wenn es wimmelt vom Heiderauche,
Sich wie Phantome die Dünste drehn
Und die Ranke häkelt am Strauche,
Unter jedem Tritte ein Quellchen springt,
Wenn aus der Spalte es zischt und singt,
O schaurig ist’s übers Moor zu gehn,
Wenn das Röhricht knistert im Hauche! […]

Annette von Droste-Hülshoff (1842)

Das Goldenstedter Moor als außerschulischer Lernort im Sachunterricht

20160616_122836

Foto: Claudia Gerdes

 So wie in dem Gedicht „Der Knabe im Moor“ von Annette von Droste-Hülshoff, wird das Moor auch gegenwärtig noch häufig als geheimnisvoller und zugleich faszinierender Ort dargestellt. Eine solche ästhetische Zugangsweise kann Ausgangspunkt für die Beschäftigung mit dem Lebensraum „Moor“ im Sachunterricht sein. Um Schüler/innen mit allen Sinnen an den Lebensraum heranzuführen und auf die Besonderheiten aufmerksam zu machen, eignet sich eine Exkursion ins Moor.

Das Sachunterrichtsseminar II erkundete daher kürzlich im Rahmen eines 3,5-stündigen Schulprogramms das Goldenstedter Moor, welches seit 1987 unter Naturschutz steht, und untersuchte seine Eignung als außerschulischen Lernort für das Fach Sachunterricht.

Zu Beginn konnten die Lehreranwärterinnen in einer 90-minütigen Fahrt mit der Moorbahn durchs Goldenstedter Moor das Moor als Ökosystem erleben und die verschiedenen Moorstadien, alte bäuerliche und industrielle Torfstiche sowie unberührte Moor- und Renaturierungsflächen erkennen. Die Begleitung durch Herrn Wohlfahrt ermöglichte eine vertiefende Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Moorlandschaften sowie den unterschiedlichen Tier- (z. B. Moorbläuling und Moosjungfer) und Pflanzenarten (z. B. Torfmoos, Wollgras, Moosbeere und Sonnentau) eines Moores.

Im Anschluss daran beschäftigten sich die Lehreranwärterinnen auf einem 800 Meter langen Moorerlebnispfad mit dem Aufbau, der Entwicklung, der Gefährdung, der Nutzung und den Formen der Regeneration des Hochmoores.

Abschließend wurde mit vereinten Kräften eine Torfprobe entnommen und gestochener Torf im Labor auf seine Bestandteile hin untersucht. Im Moortunnel konnten die Lehreranwärterinnen zudem in die „Unterwelt des Moores“ eintauchen und etwas über das Schicksal von Jan Spieker erfahren, der 1828 im Moor versank und erst 150 Jahre später gefunden wurde.

Am Ende waren sich die Lehreranwärterinnen einig: Das Goldenstedter Moor eignet sich hervorragend als außerschulischer Lernort im Sachunterricht, um unterschiedliche Kompetenzen in den Perspektiven „Raum“, „Natur“ und „Zeit und Geschichte“ zu erweitern. Die Veränderung des Landschaftsbildes und der Rückgang, gar Verlust, des natürlichen Lebensraums, u. a. durch intensive landwirtschaftliche Nutzung und jahrhundertelange Torfgewinnung, machte zudem deutlich, dass der mehrperspektivische Einblick die Basis für einen verantwortungsvollen Umgang mit dem gefährdeten Lebensraum „Moor“ bildet (BNE).

Text: Claudia Gerdes