Sicherheit im Umgang mit Tod und Trauer

Noahs Oma geht es gar nicht gut, vielleicht muss sie bald sterben und der neunjährige Grundschüler leidet sehr. Ganz traurig ist er heute zur Schule gekommen. Als seine Lehrerin bemerkt, dass Noah dem Unterricht gar nicht richtig folgen kann, spricht sie ihn gleich vor der großen Pause an.

Tod und Trauer. Auch im schulischen Alltag, zwischen Mathe und 5-Minuten-Pause, zwischen Sportfest und der nächsten Klassenarbeit, spielen diese Themen eine Rolle. Besonders im Unterricht der Fächer Evangelische Religion und Katholische Religion haben Fragen zum Umgang mit Leid und Sterben ihren Raum. Sowohl die curricularen Vorgaben der Grundschulen als auch die der weiterführenden Schulformen sehen vor, dass diese Themen im Reli-Unterricht behandelt werden. Mit dem Ziel, einen eigenen Trauerkoffer beziehungsweise eine Trauerbox zu erstellen, arbeiteten die zwei Fachseminare Katholische Religion unter der Leitung von Teresa Pundt und Vera Huneck sowie das Fachseminar Evangelische Religion unter der Leitung von Anna-Lena Schroeder unter der Überschrift „Affektive Dimensionen im Religionsunterricht: Sterben, Tod und Trauer“ in einer Seminarsitzung zusammen.

„Uns Seminarleiterinnen ist es wichtig, dass die angehenden Lehrkräfte eine intensive Sensibilisierung für die emotionale Dimension des Themenfeldes „Sterben, Tod und Trauer“ schon während ihrer Ausbildung am Studienseminar erfahren“, erläutert Anna-Lena Schroeder das Ziel der Veranstaltung der drei Fachseminare. Neben einem Überblick über die fachdidaktischen Grundlagen gehe es auch darum, sich zum Beispiel Hintergrundwissen zu verschiedenen Trauerphasen und individuellen Trauerverläufen anzueignen. Wie verarbeiten Kinder und Jugendliche ihre Trauer?  Welche sprachlichen und methodischen Zugänge sind geeignet, um das Thema im Unterricht zu behandeln? Diese und andere Fragen haben die Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst besprochen.

„Im schulischen Alltag hat sich seit einiger Zeit der Einsatz eines sogenannten Trauerkoffers bewährt“, beschreibt Seminarleiterin Teresa Pundt die Idee des sich anschließenden Praxisteils des Seminars. Ein solcher Koffer unterstütze Lehrkräfte dabei, Schülerinnen und Schüler in Krisen- und Trauersituationen altersgerecht Halt, Gesprächsanlässe und pädagogische Materialien zur Verarbeitung ihres Verlustes bereitzustellen, so Pundt. Mit einer Kerze, einem Stein, mit Blumensamen oder einem Mutmachbuch – ein Trauerkoffer könne ganz vielfältig bestückt sein. Nachdem die Seminarleiterinnen einen solchen Koffer beispielhaft vorgestellt hatten, setzten sich die Teilnehmenden selbst mit verschiedenen koffergeeigneten Materialien auseinander und entwickelten Ideen für deren Einsatz. Am Ende gestaltete jede Lehrkraft im Vorbereitungsdienst eine ganz individuelle „Trauerbox“.

Ein zentrales Element eines lernförderlichen Schulklimas sei es, dass Lehrkräfte professionell mit emotional herausfordernden Situationen umgehen können – so auch mit Tod und Trauer. „Dafür sind eine ausgeprägte Empathie der Lehrerinnen und Lehrer sowie eine gelungene Beziehungsarbeit mit den Schülerinnen und Schülern eine wichtige Grundlage“, ordnet Vera Huneck das Thema in den Ausbildungskontext der jungen Lehrkräfte am Vechtaer Studienseminar ein. Die Veranstaltung knüpfe insbesondere an Aspekte eines wertschätzenden, achtsamen und ganzheitlichen Bildungsverständnisses an, ergänzt Huneck abschließend.

Die Arbeitsstelle Religionspädagogik in Oldenburg unterstützte die Seminarveranstaltung der Fachseminare Religion mit 300 Euro für den Kauf von Materialien für die „Trauerbox“.